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Institutionen und Angehörige der „Milli-Görüs“-Bewegung bekennen Verbundenheit zu Gründervater ERBAKAN

Islamismus     5 | 2018

Zum siebten Mal jährte sich am 27. Februar 2018 der Todestag Necmettin ERBAKANs, des Gründers und „Führers“ der „Milli-Görüs“-Bewegung. In Baden-Württemberg nahmen Ableger der „Saadet Partisi“ (SP), der Mutterpartei der Bewegung in der Türkei, sowie Regionalverbände und Ortsvereine der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ (IGMG) diesen Tag zum Anlass, zwischen Ende Februar und Mitte März ihres „Hodjas“ mit einer Reihe von Veranstaltungen zu gedenken.

Innerhalb der IGMG wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Voran-gegangenen“ („Önden Gidenler“) an verschiedene Persönlichkeiten erinnert, die innerhalb der Organisation besondere Wertschätzung genießen. Zu ihnen zählen neben ERBAKAN selbst unter anderen dessen Lehrmeister Mehmet Zahit Kotku, der Dichter Mehmet Akif Ersoy, der bosnische Politiker und muslimische Aktivist Aliya Izzetbegovic, der zum Islam konvertierte US-Bürgerrechtler Malcolm X und weitere Persönlichkeiten, die sich in der Vergangenheit um die IGMG bzw. ihre Vorgänger-organisationen verdient gemacht hatten. Sämtliche in Baden-Württemberg ansässigen Regionalverbände der IGMG hielten eine derartige Veranstaltung ab: der Regionalverband Freiburg-Donau am 17. Februar 2018 in Tuttlingen, die Regionalverbände Schwaben und Rhein-Neckar-Saar am 24. Februar in Ulm und Mannheim sowie der Regionalverband Württemberg am 25. Februar in Ludwigsburg und Rastatt. An den Gedenkfeiern nahmen jeweils Funktionäre der Regionalverbandsebene und teilweise auch der IGMG-Generalzentrale teil.

Auch in einigen Ortsvereinen der IGMG wurde ERBAKAN besonders gewürdigt und sein Vermächtnis in den Fokus gerückt. Der Frauen-Jugendverband des Ortsvereins Walldorf hielt am 2. März 2018 eine Veranstaltung ab, bei der Fragen wie „Was bedeutet unser Hodja Prof. Dr. Necmettin Erbakan für uns? Wie gut kennen wir unseren Hodja?“ thematisiert wurden. Der Jugendverband des Ortsvereins Herrenberg organisierte am 3. März 2018 gleichfalls eine Abendveranstaltung mit dem Titel „Unseren Hodja Erbakan verstehen“ und schrieb hierzu:

„Erbakan als den Ministerpräsidenten der 54. Regierung und Milli-Görüs-Führer zu verstehen, gehört unserer Meinung nach zu den Grundbedingungen jedes Patrioten. Denn ihn zu verstehen heißt: Die Gerechte Ordnung [„Adil Düzen“], die Islamische Union und die Mission des Islam, also Milli Görüs, zu verstehen.“

Jugendliche dieses Ortsvereins hatten zudem am Todestag des „Hodja“ ein Lichtbild von einem Besuch an dessen Grabstätte in der Türkei auf Facebook gepostet, verbunden mit einem Bekenntnis ihrer Dankbarkeit. Die ERBAKAN erwiesene Ehrerbietung, in der die Würdigung seines persönlichen wie politischen Vermächtnisses zum Ausdruck kommt, spricht auch aus zahlreichen Postings in den sozialen Netzwerken, in denen häufig von ihm geprägte Sentenzen zitiert wurden. Der Ortsverein Sindelfingen postete etwa am 27. Februar 2018:

„Wir gedenken Prof. Dr. Necmettin Erbakans, des großen Politikers und Wissenschaftlers, der sein Leben der Nation gewidmet hat, mit Barmherzigkeit und Dankbarkeit.“

Auch ranghohe Funktionäre der IGMG verliehen auf diese Weise ihrer Verehrung für ERBAKAN Ausdruck. Der IGMG-Jugendverband Württemberg teilte ein Posting des IGMG-Generalvorsitzenden Kemal ERGÜN vom 27. Februar 2018, in dem dieser ERBAKAN als „führenden Muslim“ bezeichnete, der „lebenslang mit größtem Eifer für das Heil der gesamten Menschheit tätig“ gewesen sei. Zum selben Datum gedachten auch die Vorsitzenden der IGMG-Regionalverbände Freiburg-Donau und Rhein-Neckar-Saar „unseres Hodjas“ ERBAKAN.

In einem zur „Erbakan-Woche 2018“ deklarierten Zeitraum zwischen 24. Februar und 11. März 2018 organisierten die in Europa vertretenen Regionalverbände der „Saadet Partisi“ ebenfalls eine Reihe von Veranstaltungen, in denen das Andenken ihres spirituellen und politischen Mentors gepflegt wurde. In Baden-Württemberg fanden diese am 3. März in Karlsruhe, am 10. März in Ulm und am 11. März in Kirchzarten statt. Erstgenannte Veranstaltung, die gemeinschaftlich von den SP-Regionalverbänden Karlsruhe, Stuttgart und Mannheim durchgeführt wurde und bei der nach Eigenangaben rund 300 Teilnehmer anwesend waren, wurde auch flankiert von SP-Politikern aus der Türkei sowie von Vertretern des Sprachrohrs der „Milli-Görüs“-Bewegung, der Tageszeitung „Milli Gazete“. Die Zeitung hatte im Zeitraum um den Todestag ERBAKANs dessen Person ebenfalls in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt und in zahlreichen Beiträgen sein politisches Vermächtnis kommentiert.

In diesem Zusammenhang ist eine Feststellung bemerkenswert: Auf deutschsprachigen Plattformen der IGMG – beispielsweise auf ihrer Homepage, die auch auf Deutsch verfügbar ist – fand weder der Todestag ERBAKANs am 27. Februar noch das in der IGMG auf solch breiter Basis gepflegte Andenken seiner Person inhaltlich in irgendeiner Form Erwähnung. Die Tatsache, dass ERBAKANs Person und seine politischen Zielvorstellungen insbesondere bei den Jugendlichen auf große Resonanz stoßen, ist nur durch die konsequente organisationsinterne Weitergabe der entsprechenden Inhalte bei gleichzeitiger Vermeidung der Kommunikation dieser Inhalte nach außen zu erklären. Insofern bleiben die IGMG als religiöser und die „Saadet Partisi“ als politischer Arm der „Milli-Görüs“-Bewegung durch die einigende Klammer der Identifikationsfigur ERBAKAN und seines politischen Erbes weiterhin eng miteinander verbunden.