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Stellenwert der Musik für die rechtsextremistische Szene

RECHTSEXTREMISMUS     11 | 2017

Am 15. Oktober 2016 fand in der Schweiz ein rechtsextremistisches Konzert mit bis zu 5.000 Besuchern statt. Es handelte sich um die mutmaßlich größte Musikveranstaltung im Ausland, die jemals von deutschen Rechtsextremisten organisiert wurde. Den Veranstaltern war es durch eine hoch konspirative Vorgehensweise gelungen, den genauen Ort bis kurz vor Konzertbeginn geheim zu halten, obwohl bereits mehrere Monate lang für das Konzert in „Süddeutschland“ geworben wurde.


Den Konzertbesuchern war empfohlen worden, sich vor Veranstaltungsbeginn im Bereich Ulm aufzuhalten. Sie erfuhren dann über ein „Infotelefon“ den tatsächlichen Schweizer Veranstaltungsort. Dies gab den örtlichen Behörden kaum eine Möglichkeit, sich auf eine Veranstaltung dieser Größenordnung vorzubereiten.

Viele Besucher nahmen weite Anfahrtswege in Kauf und reisten aus Deutschland, Österreich, Frankreich und anderen europäischen Ländern eigens für das Konzert in die Schweiz.


Um verständlich zu machen, warum ein rechtsextremistisches Konzert eine solche Anziehungskraft entfaltet, soll nachstehend die Bedeutung der Musik in der rechtsextremistischen Subkultur genauer betrachtet werden.

Musik als Teil der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“

Viele spätere Rechtsextremisten kommen in ihrer Jugend das erste Mal in Kontakt mit der Szene. In dieser Lebensphase des Umbruchs ist die politische Orientierung noch nicht abgeschlossen. Häufig stellen junge Menschen die Wertvorstellung ihrer Eltern und/oder der Gesellschaft infrage und scheuen keine Konflikte und Rebellion. Wohl kaum eine Form der Rebellion ruft so vehementen Protest in der Gesellschaft hervor wie das Bekenntnis zu rechtsextremistischem Gedankengut. Das Vorzeigen einer solchen Gesinnung in Form von Symbolen oder Texten und der Konsum von rechtsextremistischer Musik sind für viele Jugendliche eine Provokation und ein Austesten der von der Gesellschaft und ihrer Elterngeneration gesteckten Grenzen.

Rechtsextremistische Skinheadmusik ist hierfür besonders interessant: Sie verbindet ideologische Indoktrination mit jugendspezifischen Formen der Unterhaltung und der Freizeitgestaltung unter Gleichaltrigen. Anders als bei potenziell trockenen, langweiligen oder gar intellektuell fordernden Vortragsabenden und Parteischulungen unter häufig deutlich älteren Gesinnungsgenossen steht der Unterhaltungswert eines Skinheadkonzerts mindestens gleichwertig neben seiner ideologischen Funktion. Dadurch kann ein Konzert geradezu Happening- oder Eventcharakter annehmen. Der einzelne Teilnehmer – zumal dann, wenn es sich noch um einen Szene-Einsteiger handelt – kann sich einbilden, ja „nur“ ein jugendkulturelles Konzert zu besuchen, er wird aber gleichzeitig mit eindeutigen Inhalten beschallt. Somit betreiben diese Konzerte und die auftretenden Bands so etwas wie eine lautstarke Werbung für den Rechtsextremismus. Ähnliches gilt für die entsprechenden Tonträger.


Aufgrund der noch nicht fundierten politischen Orientierung ist bei vielen Jugendlichen noch kein Verständnis für die volle Tragweite der Aussagen rechtsextremistischer Musik gegeben. Alters- und/oder bildungsbedingt erkennen sie die Risiken nicht oder ignorieren sie bewusst. Der rechtsextremistischen Musik kommt aufgrund dieser Umstände eine zentrale Bedeutung in der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ [Vgl. Thomas Pfeiffer, Menschenverachtung mit Unterhaltungswert. Musik, Symbolik, Internet – der Rechtsextremismus als Erlebniswelt, in: Stefan Glaser/Thomas Pfeiffer (Hrsg.), Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert. Hintergründe – Methoden – Praxis der Prävention, 3. überarbeitete und ergänzte Auflage, Schwalbach/Ts. 2013, S. 44–64.] zu [Text „Menschenverachtung als Unterhaltungswert“ vom März 2005 auf www.im.nrw.de, abgerufen am 29. Juni 2006. Konkret definiert der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz diese „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ u. a. wie folgt: „Die Kombination von Freizeit- und Unterhaltungswert mit politischen Inhalten, die um einen fremdenfeindlichen Kern und die Verherrlichung, zumindest die Verharmlosung des Nationalsozialismus kreisen, ist zum Kennzeichen des zeitgenössischen Rechtsextremismus geworden. Diese Verbindung kann als ‚Erlebniswelt Rechtsextremismus‘ bezeichnet werden. (…) Generell ist unter einer ‚Erlebniswelt Rechtsextremismus’ die Verbindung von Lebensgefühl, Freizeitwert und politischen Botschaften in dieser Szene zu verstehen. Der Begriff meint somit alle Formen, in denen Anhänger der Szene - besonders gilt dies für Jugendliche – aktiv werden, etwas unternehmen können, somit im Kontext des Rechtsextremismus Unterhaltung finden. (…) Die Erlebniswelt vermittelt nicht nur Feindbilder – etwa Schwarze, Juden oder Homosexuelle –, sondern auch Wir-Gefühle, die auf nationalistischen oder rassistischen Prämissen beruhen.“].


Vielfalt der rechtsextremistischen Musikszene

Bis zu den 2000er Jahren dominierten in der Skinheadmusikszene die aggressiven und harten Rhythmen von Heavy Metal oder Hard Rock mit rechtsextremistischen Texten. Seither hat sich eine größere musikalische Vielfalt an rechtsextremistischer Musik entwickelt, in der mittlerweile auch Hard- bzw. Hatecore oder Black Metal und Rap vertreten sind. Auch die Verwendung von englischen Bandnamen und Liedtexten wird seit einiger Zeit akzeptiert. Der Musik haftet das Image von Nonkonformität und Rebellion an; oberflächlich betrachtet wirkt sie alles andere als bieder, rückwärtsgewandt oder altmodisch. Dieses Image macht sie für viele Jugendliche attraktiv.


Die rechtsextremistische Musikszene, insbesondere ihre Einflüsse aus modernen Stilrichtungen, stehen im Gegensatz zum historischen Nationalsozialismus. Daher distanzieren sich viele ältere Rechtsextremisten in ihrem Antimodernismus und ihrer NS-Gesinnung von den modernen Musikrichtungen und bevorzugen traditionellere Stile, z. B. Volksmusik. Ergänzt wird die stilistische Vielfalt durch Liedermacher, die nicht der Skinheadszene zuzurechnen sind. Beliebt sind auch Stücke in Balladenform, die nicht nur von Liedermachern, sondern auch von Bands eingespielt werden. Die Zahl der rechtsextremistischen Bands ist in Baden-Württemberg.seit mehreren Jahren konstant geblieben. Seit 2012 sind für Baden-Württemberg acht bis neun Bands zu verzeichnen.

Rechtsextremistische Konzerte

Die Mehrzahl der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Konzerte wird von Einzelpersonen, die seit vielen Jahren der Skinheadszene angehören, oder von regionalen Gruppen geplant und organisiert. In den meisten Fällen verläuft die Mobilisierung über Telefonketten, per SMS oder Messenger (z. B. WhatsApp), Mailinglisten im Internet oder Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Teilnehmer erfahren in aller Regel nur einen Treffpunkt, von dem aus sie dann zum eigentlichen Veranstaltungsort dirigiert werden. Auch kurzfristig ist es so möglich, einen großen Personenkreis zu mobilisieren.

Besonders aktiv bei der Durchführung von Konzerten war, bis zu ihrem Verbot im Jahr 2000, die bundesweit agierende neonazistische Organisation „Blood & Honour“ mit ihrer Jugendorganisation „White Youth“. Mit dem Verbot ging die Zahl der Konzerte zunächst zurück. Allerdings hatten sich nicht alle ehemaligen „Blood-&-Honour“-Aktivisten aus der Konzertorganisation zurückgezogen, einige waren zwischen 2003 und 2005 wieder im Musiksektor tätig. Nach Exekutivmaßnahmen wegen Nachfolgebestrebungen von „Blood & Honour“ im März 2006 ließen die Konzertaktivitäten wieder spürbar nach.


Auch die 1986 in den USA gegründeten „Hammerskins“ erzielen Außenwirkung durch die Organisation rechtsextremistischer Konzerte. Die seit Anfang der 1990er Jahre auch in Deutschland aktive „Hammerskin“-Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die „weiße Rasse“ zu beschützen und alle rechtsextremistischen Skinheads in einer weltweiten „Hammerskin-Nation“ zu vereinigen.

Seit Beginn der 2000er Jahre ist eine zunehmende Vernetzung der Skinheadszene mit anderen Teilsegmenten des deutschen Rechtsextremismus feststellbar. Diese Vernetzung äußert sich u. a. darin, dass Organisationen, die nicht der Skinheadszene zuzurechnen sind, Skinheadkonzerte veranstalten oder doch zumindest einschlägige Bands auf ihren Veranstaltungen auftreten lassen. Speziell dann, wenn rechtsextremistische Parteien als Veranstalter von Skinheadkonzerten auftreten, bedeutet das für die beteiligten Bands einen höheren Schutz der Veranstaltungen vor staatlichen Maßnahmen wie Verbot oder Auflösung. Auch ist in den letzten Jahren in der Skinheadszene eine stärkere Gleichgültigkeit, aber auch eine bessere, vor allem juristische Absicherung gegenüber staatlichen Kontroll- und Exekutivmaßnahmen zu beobachten; dies dürfte unter anderem mit den innerhalb der Szene durchgeführten Rechtsschulungen zusammenhängen. Außerdem zeigt sich die Szene in der Lage, flexibel umzudisponieren, beispielsweise kurzfristig einen Veranstaltungsort auch über größere Entfernungen zu wechseln.


Diese organisatorischen und logistischen Leistungen werden nicht zuletzt dadurch begünstigt, dass die Szene zuweilen über eigene Veranstaltungsörtlichkeiten verfügt, etwa dauerhaft angemietete Gaststätten. Solche szeneeigenen Objekte ermöglichen die Durchführung von Veranstaltungen mit verhältnismäßig geringem Aufwand und hoher Planungssicherheit.

Rechtsextremistische Skinheads aus Baden-Württemberg sind jedoch nicht allein auf das Konzertgeschehen im eigenen Bundesland angewiesen. Bereits seit vielen Jahren nehmen sie zum Teil weite Wegstrecken auf sich, um Konzerte in anderen Bundesländern oder sogar im Ausland zu besuchen. Aktuell sind – wieder einmal – Konzerte im angrenzenden Elsass/Frankreich beliebt, an deren Organisation deutsche Rechtsextremisten mitunter maßgeblich beteiligt sind. Von einem Ausweichen ins Ausland verspricht sich die Szene, dem staatlichen Verfolgungsdruck im eigenen Land zu entgehen. Bei Konzerten in Grenznähe zu Frankreich und der Schweiz sind regelmäßig Teilnehmer aus den benachbarten Ländern festzustellen. Dabei treten auch Bands aus diesen Ländern auf.


Musikveranstaltungen zur Finanzierung der rechtsextremistischen Szene

Musik spielt bei rechtsextremistischen Veranstaltungen verschiedenster Art eine Rolle. So treten Musiker bei Grillabenden vor wenigen Kameraden auf, Veranstaltungen politischer Parteien werden musikalisch begleitet und es finden Liederabende im Kreis von Kameradschaften statt. Hinsichtlich der Fragestellung, ob und in welcher Höhe durch Musik-Events Einnahmen für die rechtsextremistische Szene generiert werden, sind ausschließlich Konzertveranstaltungen zu betrachten, bei denen die Musik im Mittelpunkt steht.


Ein Blick auf die Konzerte der rechtsextremistischen Szene der letzten beiden Jahre zeigt, dass in der Regel Eintrittsentgelte in Höhe von 15 bis 20 Euro erhoben wurden. Zudem werden durch den Verkauf von Getränken und Essen Einnahmen erzielt. Der teilweise stattfindende Verkauf von CDs, Fanartikeln und sonstigen Devotionalien der rechtsextremistischen Szene spielt bei dieser Betrachtung hingegen keine Rolle, da dies auf Rechnung des jeweiligen Musikvertriebs geschieht.


Den Einnahmen stehen in der Regel Ausgaben für die Miete des Veranstaltungsortes, anfallende Leihgebühren (z. B. für die Musikanlage), die Anschaffungskosten für Essen und Getränke, logistische Kosten sowie die Gage der Musiker gegenüber. Hier wird deutlich, wie sehr der organisatorische und finanzielle Aufwand mit der Verfügbarkeit einer verlässlichen Veranstaltungsörtlichkeit zusammenhängt: Hat die rechtsextremistische Szene Zugriff auf eine geeignete Lokalität, beispielsweise bis Juni 2011 auf die Gaststätte „Zum Rössle“ in Rheinmünster-Söllingen/Kreis Rastatt oder bis ins Frühjahr 2016 auf den „Hexenkessel“ in Bad Wildbad-Calmbach/Kreis Calw, so finden deutlich mehr Konzerte mit gleichzeitig höheren Besucherzahlen statt.

Ausschlaggebend für den finanziellen Erfolg eines rechtsextremistischen Konzerts ist selbstverständlich seine Besucherzahl. Diese ist – neben der Erreichbarkeit des Veranstaltungsorts, der Größe und Struktur der örtlichen rechtsextremistischen Szene sowie der Werbung für die Veranstaltung – besonders von der Popularität der auftretenden Band abhängig. Das Engagement einer populären Band birgt jedoch in der Regel aufgrund einer höheren Gage und eines größeren organisatorischen Aufwands auch ein größeres finanzielles Risiko.

In den vergangenen fünf Jahren (2012 bis 2016) fanden in Baden-Württemberg im Durchschnitt etwa sechs Skinheadkonzerte pro Jahr statt; die durchschnittliche Besucherzahl lag bei etwa 90. Verlässliche Aussagen über die tatsächlichen Einnahmen bei diesen Veranstaltungen sind aufgrund der Unkalkulierbarkeit der oben erwähnten Variablen nicht möglich.

Schätzungen zufolge konnten die Organisatoren dieser Konzerte im Durchschnitt maximal Einnahmen im oberen dreistelligen Bereich erwirtschaften. Die tatsächlichen Einnahmen bzw. Ausgaben dürften jedoch teils erheblich vom geschätzten Mittelwert abweichen. Aufgrund der zwar gestiegenen, aber trotzdem niedrigen Konzertanzahl in Baden-Württemberg (2015: 3, 2016: 7) von unterschiedlichen Veranstaltern ist anzunehmen, dass die Organisation von Konzerten keine wesentliche Einnahmequelle für die rechtsextremistische Szene ist. Zumal es denkbar ist, dass die Einnahmen teils für szenefremde Zwecke verwendet werden.


Jahr            Konzertanzahl in BW        Durchschnittliche Besucherzahl

2012                       8                                                      90
2013                       8                                                    120
2014                       3                                                      80
2015                       3                                                      60
2016                       7                                                    100


Vertrieb rechtsextremistischer Musik

Rechtsextremistische Musik ist im allgemeinen Handel nicht erhältlich. Für die Produktion und Verbreitung von Musik und Propagandamaterialien haben sich eigene nationale und internationale Vertriebsstrukturen entwickelt. Bei Konzerten bieten mobile Händler außerdem Tonträger und Merchandising-Artikel von rechtsextremistischen Bands an. Baden-Württemberg ist kein Schwerpunkt bundesweiter Vertriebsaktivitäten.

Ein interessantes Beispiel für den Versuch der rechtsextremistischen Szene, mit Musik ideologisch noch nicht gefestigte Schüler zu ködern, ist das 2004 gestartete „Projekt Schulhof“. Dabei sollten bundesweit massenhaft CDs mit dem Titel „Anpassung ist Feigheit – Lieder aus dem Untergrund“ kostenlos auf oder in der Nähe von Schulhöfen verteilt werden. Dieser moderne Ansatz setzte zielgruppengerecht auf rechtsextremistische Musik und hat in der Folge einige Nachahmer gefunden. Trotz richterlicher Beschlagnahmebeschlüsse für die hergestellten Exemplare und polizeilichen Sicherstellungen der CDs geben rechtsextremistische Gruppierungen, darunter auch die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) und ihre Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), immer wieder sogenannte Schulhof-CDs heraus. Diese werden zumindest regional verteilt und auch im Internet zum Herunterladen angeboten. Inhaltlich-ideologisch bewegen sich die CDs auf ausgetretenen Pfaden; in letzter Konsequenz predigen sie rechtsextremistische, antimodernistische Gegenentwürfe zur westlichen Moderne. Über den Musikkonsum kann das Interesse von Jugendlichen für die Szene geweckt werden. Genau diesen Rekrutierungseffekt wollen sich die Macher der CD-Projekte und die gesamte rechtsextremistische Szene zunutze machen.

Inhalt der Liedtexte

Die Texte rechtsextremistischer Skinheadbands thematisieren einerseits das Selbstverständnis und das Lebensgefühl ihrer Szene. So ist die Verherrlichung des Skinheaddaseins (z. B. des szenetypischen exzessiven Alkoholkonsums) ein häufig wiederkehrendes Motiv in ihren Liedern. Andererseits ist die Musik das wichtigste Propagandamedium, über das rechtsextremistische Inhalte in die (Skinhead-)Szene transportiert werden. Zahlreiche Liedtexte greifen Themen der germanischen bzw. völkisch-germanischen Mythologie auf. Sie verherrlichen offen oder unterschwellig den Nationalsozialismus, den Krieg und deutsche Soldaten als Helden. Andere Lieder richten sich gegen Kapitalismus und Globalisierung sowie gegen gesellschaftliche Missstände. Das bestehende politische System, das für eine Lösung der Probleme nicht geeignet sei, wird als korrupt dargestellt.

Bei solcher Hetze wird zuweilen auch – direkt oder indirekt – zur Gewaltanwendung aufgerufen. Spätestens in diesen Fällen lässt sich der gewaltbejahende, geradezu verhetzende Charakter zumindest von Teilen der rechtsextremistischen Skinheadmusik nicht in Zweifel ziehen. Der inhaltlich verhetzende Charakter wird oft noch akustisch-stilistisch unterstrichen und verstärkt, z. B. durch stakkatohafte, aufpeitschende und aggressive Rhythmen und Melodien sowie durch einen Gesang, der bis zur akustischen Unverständlichkeit gepresst vorgetragen und gegrölt wird. Derartige Texte können bei ihren meist jugendlichen Konsumenten langfristig eine ideologisch indoktrinierende, fanatisierende und gleichzeitig eine moralisch verrohende, enthemmende Wirkung entfalten. Diese kann auch Gewaltbereitschaft und in letzter Konsequenz sogar Gewalttätigkeit erzeugen. Durch die wiederholt artikulierte Hetze gegen gängige rechtsextremistische Feindbilder geben solche Texte der Gewalt auch die Angriffsziele vor. Folglich kann rechtsextremistische Skinheadmusik eine der Ursachen rechtsextremistisch motivierter Gewalt sein.

Die meisten von rechtsextremistischen Skinheadbands produzierten Liedtexte bewegen sich jedoch unterhalb der Schwelle zum konkreten Gewaltaufruf – wohl nicht zuletzt, weil die Bands andernfalls juristische Folgen zu befürchten hätten.