Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Rechtsextremismus > Archiv > Archiv 2016 > Urlaub „in Mecklenburg und Pommern“ – durch die rechtsextremistische Brille betrachtet

Urlaub „in Mecklenburg und Pommern“ – durch die rechtsextremistische Brille betrachtet

Rechtsextremismus     11 | 2016

Wenn Rechtsextremisten verreisen, ist die Gesinnung mit im Reisegepäck und die Reiseerlebnisse werden so gedeutet, dass das rechtsextremistische Weltbild Bestätigung findet. Dies zeigt ein Aufsatz vom September 2016 auf der Internetseite der rechtsextremistischen „Europäischen Aktion“ (EA): Hier schildert ein junger EA-Aktivist aus dem Bodenseeraumseine Eindrücke aus einem zweiwöchigen Urlaub „in Mecklenburg und Pommern“

Anstatt vom nahegelegenen Flughafen Friedrichshafen Richtung Mittelmeer zu starten, so berichtet der Autor, hätten er und seine Freundin sich entschlossen, auf der „eigene[n] Heimatscholle“ wieder „neue Lebenskraft“ zu schöpfen. Über diverse Betrachtungen zum Thema „angestammter Lebensraum“, „heilige[r] Grund und Boden“ und „Lebensquelle für unser Volk“ spannt er den Bogen zur Definition von Ost- bzw. Mitteldeutschland. Demnach stehen die „eigentlichen Ostgebiete Deutschlands nach wie vor unter der Fremdverwaltung der Siegermächte“ (Anm.: des Zweiten Weltkriegs). Aus dem Anblick verlassener Dörfer und aufgegebener Infrastruktur folgert er, dass sich das deutsche Volk „im Sterbemodus“ befindet, und dass dieser Zustand gewollte „konzeptionelle Politik“ ist.

Mit Verachtung und Herablassung werden die Mit-Urlauber abgeurteilt, die zwar „Bundesbürger“ seien, aber keinesfalls „Deutsche im geistig-kulturellen Sinne“. Die „umerzogenen BRD-Knechte“ schildert er als dekadent, geistig umnachtet und vom Selbsthass zerfressen, sie pflegten eine mit Anglizismen durchsetzte Sprache, die sich auch in der Namensgebung ihrer Kinder niederschlage. Als Fazit stellt der Schreiber fest, dass man zwar eine „nicht geringe Zahl hirngewaschener Deutscher“ angetroffen habe, indes die „Menschen in der der ehemals russischen Besatzungszone im Vergleich zu ihren Volksgenossen aus dem Westen und Süden geistig wachsamer sind und einen grösseren Widerstandswillen gegen die deutschfeindliche Politik der BRD-Akteure aufweisen.“ In der „verbrecherische[n] Masseneinwanderung der art- und kulturfremden Invasoren“ würden immer mehr Menschen eine „tödliche (…) Gefahr“ erkennen. Indes wiesen die „7 Ziele der EA“ [in Kurzform beinhalten diese „7 Ziele“ die Forderung nach „Wiederherstellung der freien Rede“ (gemeint ist die Beseitigung des Volksverhetzungsparagraphen aus dem Strafgesetzbuch), „Abzug aller fremden Truppen“, „Repatriierung außereuropäischer Einwanderer“, „Staatliche Selbstbestimmung für die Deutschen der BRD und BRÖ“, „Schaffung einer europäischen Eidgenossenschaft“, „Überführung des Geld- und Medienwesens ins Volkseigentum“, „Wiederaufbau der Tradition – Kampf der Dekadenz und Naturzerstörung“] den Weg „heraus aus dem Todesmarsch der Völker“.

Vernichtungsängste, Hasstiraden und Gewaltphantasien sind regelmäßig Bestandteil der EA-Dokumente. Der angebliche zionistische Vernichtungsplan gegen die Völker Europas, zuvorderst gegen das deutsche Volk, ist Zentrum des Ideologiegebäudes der „Europäischen Aktion“. Ihr Deutschland-Vorsitzender wiederholte wenige Tage später in einem Beitrag vom 5. Oktober 2016 auf der EA-Homepage die Behauptung, dass dieses „Verbrechersyndikat“ zum Töten seiner Gegner aufgerufen habe, sollten diese Widerstand leisten. Er erklärte, damit würde „uns die Begründung für den Widerstand mit gleichen Mitteln aus Notwehr“ geliefert. Zugleich präzisierte der Funktionär, wie „aktiver Widerstand“ aussehen könne:

„…Wortergreifungen, Mahnwachen, Massendemonstrationen, Bildung von Bürgerwehren, usw.“

Diese Zweigleisigkeit der Argumentation – Herbeireden einer Notwehrsituation und niedrigschwellige Widerstandsempfehlungen gegen dieselbe – machen es schwierig, die EA einzuschätzen. Noch ist keine politisch motivierte Gewalttat von EA-Angehörigen bekanntgeworden, aber sie wähnen sich grundsätzlich berechtigt, tödliche Notwehr als legitimes Mittel anzuwenden. Die „Europäische Aktion“ wird bundesweit von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet.