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Massive Expansionsdarstellung nach außen zur Ablenkung von inneren Problemen

Scientologie-Organisation     2 | 2018

Die „Scientology-Organisation“ (SO) hat seit Beginn der Beobachtung durch den Verfassungschutz (1997) in Bund und Land eine beträchtliche Zahl von Mitgliedern eingebüßt. Nach SO-eigener Darstellung dauert allerdings nach wie vor ihre Expansion an – dies sollen internationale Neueröffnungen dokumentieren.
 

Scientology erlebte Ende der 1980er bis in die erste Hälfte der 1990er Jahre eine Phase des Wachstums und konnte so zeitweise zahlreiche neue Mitglieder werben. Damals waren vielen Menschen weder der Begriff „Scientology“ noch die Gefahrenpotentiale der Organisation bekannt. Im Zuge der medialen und informellen Aufklärung der breiten Bevölkerung durch das Internet und die Arbeit sowohl der Presse als auch der Sicherheitsbehörden hat sich dies geändert.
 

Obwohl die SO nicht müde wird, bei ihrer Anhängerschaft ein stetiges internationales Wachstum einzufordern, ist sie in Deutschland seit geraumer Zeit mit wachsenden Problemen und einem schleichenden Mitgliederrückgang konfrontiert. Verfügte sie in den späten 1990er Jahren bundesweit  noch über etwa 5.000 bis 6.000 Mitglieder, sind es inzwischen noch etwa 3.000 bis 4.000. In Baden-Württemberg gab es Ende der 1990er Jahre rund 1.200 Scientologen. Im Laufe der ersten Jahreshälfte 2017 ist deren Zahl auf nunmehr unter 800 abgesunken.
 

Ein erhebliches Problem für die SO sind die kaum zu kontrollierenden Informationsangebote im Internet. Teilweise bieten auch Einrichtungen der öffentlichen Hand und der Kirchen ein breites Spektrum an Informationen und Beratung an, von dem die Bürger Gebrauch machen.
 

Die Tatsache, dass zahlreiche hochrangige Mitglieder der eigenen Führungsriege die SO verlassen haben, vermittelt ein diffuses Bild nach außen. Insbesondere die Abgänge prominenter SO-Mitglieder wie des international bekannten Regisseurs Paul Haggis oder der US-amerikanischen Schauspielerin Leah Remini, die beide mit medialen Enthüllungsdokumentationen ein anderes Bild der SO zeichnen, lassen aufhorchen.
 

Trotz des hohen Aufwands bei der Werbung gelingt es der Organisation seit geraumer Zeit nicht mehr, einen nennenswerten Zuwachs zu generieren. Die SO stößt in breiten Teilen der aufgeklärten Bevölkerung mittlerweile auf Ablehnung, und auch enttäuschte Anhänger in den eigenen Reihen ziehen sich zurück.
 

Die Organisation versucht durch expansive Darstellung von Wachstum im Ausland so-wie durch Engagement gegen Drogen und Kriminalität, dieser ablehnenden Haltung entgegenzutreten.
 
Gelingt es der SO nicht, neue Mitglieder anzuwerben, dürfte im Laufe der kommenden Jahre ein deutlicher Überalterungsprozess die Folge sein. Dieser Aspekt erklärt die ambitionierte Außendarstellung sowie die Hartnäckigkeit bei der Mitgliederwerbung. Es gilt weiterhin, Aufklärungsarbeit zu leisten, um zu verhindern, dass Scientology speziell bei der jüngeren Generation Erfolge erzielt.